Du altes Schätzchen aus längst vergangenen Foto-Tagen. Nun habe ich dich hier vor mir stehen. Durch einen glücklichen Zufall hast du zu mir gefunden. (danke an Edvin Prijic) Welche Geschichten hast du schon eingefangen?? – frage ich mich. Was durfte deine Linse schon alles sehen? Ein wenig  kann ich leider nur äußerlich erahnen…. mit deinen vielen kleinen Macken….. So massiv und robust stehst du nun vor mir auf dem Schreibtisch. Gewappnet für die nächsten 20 Jahre, mit Sicherheit! Mit ein wenig Pflege wirst du sie auch noch schaffen! Wo von ich spreche fragt ihr euch?

Vor mir steht eine Mamiya RB67. Das ist eine analoge Mittelformatkamera mit Schachtsucher, die Heißhunger auf  Rollfilm hat.

Als Kind kann ich mich erinnern wie mein Onkel mit Schachtsucher-Kameras hat. Ich war so fasziniert davon durch den Sucher auf die helle und sehr große Einstellscheibe zu schauen und dann war da noch das tolle mechanische Auslösegeräusch. Herrlich! Sowas bekommen digitale Kameras einfach nicht hin. Damals habe ich mir immer so eine Kamera gewünscht. Jetzt habe ich sie vor mir stehen…..

Ich stelle mir selbst die Frage was mich antreibt mit dieser Kamera loszuziehen und Fotos zu schießen!? Analog habe ich ja schon eine weile geknippst….. Aber nie wirklich fotografiert. Und eigentlich auch nur Kleinbildfilm….

Warum will ich jetzt ca. 3 Kg Kamera mitschleppen?

12278852_1641538236095157_8861209635069506556_n

3 Kg Kamera ohne jegliche Elektronik. Kein Belichtungsmesser und kein Autofokus! Alles manuell!

Und limitiert auf 10 Versuche!

Ja richtig, auf einem Rollfilm passen nur 10 Fotos. Was treibt mich an diese Einschränkungen in Kauf zu nehmen, obwohl direkt daneben meine DSLR liegt?

Motiviert mich diese Tatsache, dass der Film mit 10 Bildern einfach voll ist?   Zwingt es mich umso mehr nachzudenken bevor ich den Auslöser drücke? Auch wenn wir uns vornehmen digital nur 10 x auszulösen…. halten wir uns ernsthaft dran? Und wenn was nicht ganz sitzt haben wir immer noch Lightroom & Photoshop in der Hinterhand. Zwingt mich die analoge Fotografie dazu den fotografierten Moment viel mehr Beachtung zu schenken? Lerne ich besser auf den richtigen Moment abzuwarten?

Bin ich die digitalen und zu perfekten Bilder leid? Habe ich mich daran satt gesehen?

Oder bin ich mit der vielen manuellen Technik zu sehr beschäftigt und kann mich auf das Wesentliche, dem Foto nicht ausreichend konzentrieren?

Gewinne ich Abstand zu meinen Bildern….. dadurch, dass ich die fertigen Negative erst 1 Woche später in den Händen halte? Bin ich kritischer gegenüber meinen Arbeiten, wenn ich die Fotos nicht direkt sehen kann unter Einfluss des grad beendeten Shooting?

Lerne ich danach die digitale Fotografie noch mehr lieben oder fasse ich Analog nie wieder an??

Keine Sorge. Ich werde die Mamiya nicht zu Kundenaufträgen schleppen und herumprobieren….. Ich betrachte sie eher als neue Kreativitätsquelle. Einfach umzudenken und um (für mich) völlig neue Erfahrungen zu schöpfen.

Diese Fragen schießen mir dabei alle durch den Kopf, wenn ich dich betrachte du schöne Mamiya. Beantworten wirst du mir diese nur, wenn ich rausgehe und dich benutze…… Ich werde euch davon demnächst berichten. Seid gespannt! Ich bin es auch!

Dennoch möchte ich euch ein paar Bilder von meinem ersten belichteten Film zeigen. Bei einigen habe ich daneben fokusiert….. ja das habe ich…., irgendwie auch aus versehen 😉 Aber ich finde es stört nicht. Euch etwa?

 

© damato-fotografie.de

 

© damato-fotografie.de

 

© damato-fotografie.de

 

© damato-fotografie.de

Model: Krissi

Danke an Thomas Herbers, der mir wahnsinnig geholfen hat mit der Mamiya!